Konsum

Juice Juice Juice Juice Juice!!!

Obwohl es während dem Flug überraschend Essen gab, gehen mir irgendwann die Vorräte aus und ich muss einkaufen gehn. Die Auswahl an Supermärkten ist ziemlich groß, sogar einen Aldi gibt’s – aber den kenn ich ja schon von daheim (Nagut, ich war doch mal kurz drin – sieht hier wirklich fast genauso aus).

In einem echten amerikanischen Supermarkt muss aber alles groß sein. Die riesigen Chips-Packungen aus der Metro stehn hier überall im Regal. Eis gibt’s in Eimern von 1 Gallone & 1 Quart (4,73 l) und die tollen Säfte im Kanister, die man aus US-Serien kennt gibt’s auch wirklich. Butter gibt es fast nur gesalzen, und die billige kostet 2.49$.

Trotz (oder gerade wegen) des riesigen Angebots fällt die Auswahl schwer. Und wenn mir etwas einfällt muss ich immer ewig suchen. Getränke gibt es im einen Supermarkt z.B. an drei verschiedenen Stellen. Und neben den Trinkwasser-Kanistern stehen gleich welche mit Destilliertem von der gleichen Marke.

Weil ich keinen Kühlschrank hab will ich erstmal nur ein paar Kekse, aber auch das ist garnicht so einfach. Normale Cookies kosten 4$, aber wenn man zwei Packungen nimmt kosten die nur 4$. Buy One Get One Free ist hier absolut üblich, genau wie eigentlich alle Arten von Rabatten. Nur allzu gerne knüpft der Amerikaner diese an den Besitz einer Kundenkarte, ist dann aber oft sehr großzügig.

Self-Checkout

Pay by Fingerprint

Beim Check-Out bringt mich dieser Automaten zum zögern. Ich bin mir erst nicht sicher ob ich wirklich verstanden hab was er bzw. ich soll. Für die anderen ist es das Natürlichste der Welt seine Sachen selbst zu scannen und einer Computerstimme zuzuhören wie sie einem vorliest was man ihr unter die Nase gehalten hat – nicht ohne einen bei jedem Artikel darauf hinzuweisen wie viel man dabei gespart hat. Wenn man dann alles gescannt hat zahlt man an dem Automaten mit Cash, Bank- oder Kreditkarte, oder per Fingerabdruck. *mund wieder zuklapp*
Muss ich erwähnen dass das Scannen bei mir nicht reibungslos geklappt hat? Ich bin halt echt sowas von altmodisch.


Drive-Thru ATM

Ebenso altmodisch fühle ich mich übrigens als ich merke dass wir nicht an der Tankstelle sondern bei der Bank sind und das keine Zapfsäule, sondern ein Drive-Thru Geldautomat ist.

Siemens

Fitnessraum

Während ich den restlichen Vormittag auf Johannes warte (der ja das Auto hat), schau ich mich genauer im Hotel um: Die “Lobby” (bzw. der Frühstücksraum) ist üppig begrünt, allerdings standesgemäß nur mit Plastikpflanzen. Unter dem Fernseher gibt es einen Kamin, in dem es leise knistert – ein Motor bewegt langsam Streifen aus Alufolie. Der Fitnessraum ist kleiner als mein Zimmer, aber vollgestopft mit Geräten.

Nachmittags geht’s dann zu Siemens. Gleich neben dem Haupteingang ist ein riesiger Raum mit 100 oder 1000 Cubicles. Die einzelnen “Büros” sind wirklich nur durch Nasenhohe Aufstellwände voneinander getrennt. Farblich pendeln diese zwischen Senfblähfarben und dem Beige einer alten Pinwand. Zufällig sind sie auch mit genau so einem groben Stoff bezogen. Sehr einladend. Zum Glück sind wir etwas abgeschieden, wir haben einen kleinen Raum mit nur 5 Cubes und einem großen Tisch, sodass es bei uns ziemlich ruhig ist. Fenster sind leider trotzdem Fehlanzeige und die Luft ist auch irgendwie komisch.

Auch in der Kantine ist das Geschirr aus Styropor, das Besteck aus Plastik. Der Unterschied zum Hotel ist nur dass das Besteck nicht nochmal einzeln verpackt ist, und dass man die Reste gleich in eine Müllpresse kippt.

Beim Abendessen probiere ich zum ersten Mal amerikanisches Bier. Das Restaurant hat allerdings eine eigene Brewery. Wahrscheinlich deshalb schmeckt es garnicht mal schlecht. (Zum Spaß könnt ihr mal die Preise auf der Speisekarte anschaun, zum Glück hat Siemens bezahlt *g*)

Der erste Morgen

Dusche eingefahren
Dusche ausgefahren

Schnee

Um 04:10 ist die Nacht vorerst vorbei. Immerhin schon kurz nach 11, da wo ich herkomm. Ich zwing mich nochmal einzuschlafen und stehe erst um halb 8 auf. Beim ersten Blick aus dem Fenster sehe ich das Unglaubliche: Es hat geschneit. Während daheim über 20 Grad sind fallen hier über Nacht 10 cm Schnee. Und es sieht nicht aus als würde es aufhören. Radio Shack ist damit erstmal in unerreichbare Ferne gerückt, denn meine Winterstiefel hab ich natürlich zuhause gelassen. Ohne Strom allein im Hotel bei Sauwetter. Na fabelhaft.

Also lass ich den Tag mal langsam angehen. Die Flügelschraube seitlich am Duschkopf sieht interessant aus. Damit kann man einen Einsatz im Duschkopf verstellen und so den Wasserstrahl nach Belieben einstellen. Nicht schlecht. Kaum steh ich unter der Dusche fühl ich mich wie im Schwimmbad. Das Wasser ist ja immernoch gechlort.

Endlich wach geh ich runter in den “Frühstücksraum”*. Spontan werden Erinnerungen an ETAP Hotels wach, nur ist die Auswahl hier überschaubarer und überhaupt sieht alles anders aus. Nachdem ich mich etwas umgeschaut hab finde ich endlich etwas das mir bekannt vorkommt: Einen Muffin. Danach landen ein Ei und ein Donut auf meinem Styroporteller. Später finde ich auch Brot (genauer: Toast) und Marmelade. Aus lauter Übermut füll ich mir eine Schüssel mit giftig leuchtenden Fruit-Loops – aber wo gibt’s hier bitte Milch? Ein Angestellter erkennt meine verzweifelte Lage und deutet auf einen Automaten. Leider stell ich mich an wie der erste Mensch, veranstalte eine riesen Sauerei und blamiere damit alle Europäer. Sorry.

Pool - Weather permitting

Nach dem Frühstück begeb ich mich auf die Suche nach dem Pool, von dem ich auf der Webseite gelesen habe. Nachdem ich ihn gefunden habe kommt mir der Verdacht dass ich ihn nicht oft benutzen werde.

* Es gibt einen Grund dafür dass auf der Hotel-Homepage die Bilder für “Front Desk” und “Breakfast Area” identisch sind.

Der erste Abend

Den ersten Abend im Hotel verbringe ich schon fast wie ein Einheimischer: Ich hau mich auf’s Bett und schalt den Fernseher ein. Die Programmauswahl ist sehr abwechslungsreich, ich kann zwischen Sport (Basketball, Baseball, Football, Eishockey) oder zweitklassigen Latenightshows wählen. Leider nehmen die Sprecher keine Rücksicht auf Nicht-Muttersprachler und nuschelt mit unglaublicher Geschwindigkeit vor sich hin. Somit bleibt mir nur die dritte Wahl: Werbung.

Auf Cartoon Network wird LifeGuard angepriesen, ein Notruf für ältere Menschen. Der Slogan “I fell and I couldn’t get up!™” (oder so) ist sogar markenrechtlich geschützt, wie überhaupt fast alles hier. Man bekommt den Eindruck das Alphabet habe drei Zeichen mehr als bei uns: ©, ® und ™ und das sind auch die am meisten verwendeten.

Überhaupt ist alles was man kaufen kann “best”, “greatest”, “unbelievable” und vor allem ©, ® oder ™. Dazu gibt’s immer lustige Sprüche wie “Your mom want’s you to eat at Jimmy John’s” – ah deren Speisekarte (PDF) steht sogar im Web. Hier gibt’s nur hinter jedem Sub einen kurzer Kommentar in Klammern, aber außenrum stehen immerhin einige sinnlose Sätze. Andere (die meisten) Speisekarten hier sind schon fast Literatur. Man erfährt zwar weniger was in den Sachen drin ist, aber umso ausführlicher warum man nichts anderes essen will. Wie zum Beispiel bei Fox and Hounds (PDF).

Um 21:30 wache ich nochmal auf, schalte den Fernseher aus und kipp wieder um.

Power, Scott & das Recht des Stärkeren

US Power Outlet Dann das erste Problem: Natürlich hat sich hier keiner die Mühe gemacht mein Zimmer auf Euro-Steckdosen umzurüsten. Pf!

Also geh ich runter zur Rezeption und frag dort nach ob es in der Woodfield Mall einen Adapter geben könnte. “Das ist viel zu weit zu laufen” lautet wie erwartet die Antwort, “you’d get killed in the traffic”. Ich denk mir nur “is klar, wir haben neuerdings auch Autos in DE” und sage dass das schon ok sei. Aber die Dame lässt sich nicht beruhigen und ruft bei einem Baumarkt um die Ecke an. Die meinen sie hätten sowas auch, “umso besser” denk ich mir und ziehe los, nicht ohne mich noch nach dem nächsten ATM zu erkundigen. An der ersten Kreuzung verstehe ich dann was sie gemeint hat. Zum Glück ist grad noch jemand anderes da – alleine hätt ich es wohl nichtmal über die Straße geschafft. Einmal hätte ich den Drücker nicht gefunden, der is eben nicht Knallgelb, sondern dezent silber. Und außerdem hätte ich mich dann wohl zu tode gewartet. Scott drückt im Vorbeigehen und ist im gleichen Moment schon auf der ersten Verkehrsinsel, ohne weiss (für Fußgänger gibts kein grün) abzuwarten. Ich bleibe natürlich stehen und warte. Und warte. Und warte. Dann wird es auch mir zu bunt und ich gehe ebenfalls einfach los (nur über die Rechtsabbieger-Spur). Aber selbst als wir dann weiss haben müssen wir echt aufpassen dass uns keiner übern Haufen fährt. Das Gesetz der Straße, das Recht des Stärkeren – und alle anderen haben Geländewagen.
Den ATM lasse ich aus um mit Scott (aus Texas) etwas zu smalltalken. Ich erzähle ihm dass es in DE schon ganz warm ist, etwa 20 Grad. Als er sagt dass es in Texas gerade 80 Grad haben müsste merke ich dass er mich für verrückt halten muss wenn ich denke dass 20 Grad warm sind. Dabei sind das doch auch 70 in Fahrenheit…

Als ich beim Baumarkt bin frage ich nochmal nach einem ATM. “Gleich hier um das Gebäude rum. Dann kommst Du an bla vorbei und rechts is blubb und links kommt bla. Und dann siehst Du schon den 7-11 wo einer steht.” Klingt ziemlich weit, deswegen suche ich mir eine Abkürzung. Meinem Weg habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Beim 7-11 hole ich mir Geld und Wasser (ziemlich clever, denn das Leitungswasser ist gechlort). Zurück im Baumarkt finde ich einen Adapter mit dem man überall auf der Welt amerikanische Geräte anschliessen kann, Kopfhörer ohne Mikro und Headsets für Handys. Die Verlängerungskabel sehen aus wie die deutschen vor 50 Jahren. Unglaublich dass der Strom da freiwillig durchfliesst. Der Verkäufer empfiehlt mir zu Radio Shack zu gehn, aber der ist ziemlich weit zu Fuß. Nachdem es schon nach 18 Uhr ist nehm ich mir das für den nächsten morgen vor.

Auf dem Rückweg liegt wieder eine Kreuzung. Diesmal finde ich den Drücker und die Ampel wird gleich weiss. Auf allen Spuren sind die Autos mitten auf dem Fußweg zum Stehen gekommen. Nach ca. 5 Sekunden fängt sie an orange zu blinken und nach weiteren 3 ist wieder rot. Bei einer 7-spurigen Strasse. Ganz toll. In dem Moment steh ich auf einer Verkehrsinsel in der Mitte, aber da gibt es keinen Drücker. Also springe ich todesmutig weiter und naja, ich lebe noch.