Limo-Ride nach Downtown

Ich besuch eine Schulung für Kunden, damit ich mit der Software hier vertraut werde. Und zum Rahmenprogramm gehört auch ein Limo-Ride nach Downtown! Gegen 16 Uhr werden wir am Hotel abgeholt und Heinz fährt uns acht erstmal zum Navy Pier. Das ist so eine Art Touristenattraktion. Normalerweise kann man von dort aus Bootstouren auf den Lake Michigan machen, aber weil die heute Stadt in einem unheimlich dichten Nebel versunken ist sparen wir uns das. Wir steigen dennoch kurz aus um Heinz Zeit zu geben die Bar neu zu bestücken.

 

Chicago im Nebel

Boot vom Navy Pier aus

Meine Limo

Die Fahrt auf das Hancock Building (96 Stockwerke) und die Stadtrundfahrt sparen wir uns auch und lassen uns gleich zu Giordano’s bringen, wo es die berühmte “Chicago-style Pizza” geben soll. Deep-Dish und Stuffed, das volle Programm. Nie zuvor gehört, aber FAMOUS! Ich bin gespannt und hab v.a. Hunger.
Gleich am Eingang wird das Geheimnis etwas gelüftet, in einem Schaukasten ist eine “Pizza” ausgestellt.

 

Chicago-style (stuffed) Pizza

Giordano's Pizzeria

Hauptsache riesig. So wird eine stuffed Pizza gemacht:

  • Pizzateig in eine tiefe, runde Form
  • Belag rein (viel Käse)
  • Mit Pizzateig zudecken und andrücken
  • Tomatensoße drauf
  • Backen


Obwohl wir zu fünft sind rät uns die Bedienung zu zwei kleinen Pizzen. Das will niemand so recht glauben, aber sie besteht darauf dass das reichen würde. Also bestellen wir eine Spinat (die Spezialität des Hauses) und eine Spezial. Geschmacklich würde ich eine solide 2+ geben, mir sind normale Pizzen irgendwie lieber. Am Ende bleibt von jeder Pizzatorte ein Stück (1/6) übrig, es hätte also noch jemand mitessen können. Ein paar andere von uns waren in einem Restaurant von irgendsoeinem berühmten Football Coach (Ditka) und haben Steaks für 70$ gegessen – wir alle zusammen haben mit ein paar Getränken und Trinkgeld weniger bezahlt.

Hancock Building halb im Nebel

Nach dem Essen hat sich der Nebel etwas gelichtet. Das Hancock Building kann man jetzt immerhin etwa bis zur Hälfte sehen. Die Wartezeit auf unsere Limo verkürzen wir in einem Pub mit echtem deutschem Bier: Hacker Pschorr Weiße für nur 7$ – das sollte einem der Luxus von echten Weizengläsern aber wert sein. Im Gegensatz zu den meisten öffentlichen Lokalen ist Rauchen hier erlaubt – wie uns der Barkeeper verrät dürfen sie das weil mehr als 70% des Umsatzes mit Alkohol gemacht wird. Aber jede Stadt regelt das wie sie will und in Hoffman Estates gibt es glaube ich kein allgemeines Rauchverbot per Gesetz. Trotzdem hängen überall “Thanks for not smoking” Schilder.

Auf dem Heimweg noch ein kurzer Stop beim Wrigley Field, dem ältesten Baseball Feld der Welt und Stadion der Chicago Cubs.

 

Meine Limo von innen

Wrigley Field

Konsum

Juice Juice Juice Juice Juice!!!

Obwohl es während dem Flug überraschend Essen gab, gehen mir irgendwann die Vorräte aus und ich muss einkaufen gehn. Die Auswahl an Supermärkten ist ziemlich groß, sogar einen Aldi gibt’s – aber den kenn ich ja schon von daheim (Nagut, ich war doch mal kurz drin – sieht hier wirklich fast genauso aus).

In einem echten amerikanischen Supermarkt muss aber alles groß sein. Die riesigen Chips-Packungen aus der Metro stehn hier überall im Regal. Eis gibt’s in Eimern von 1 Gallone & 1 Quart (4,73 l) und die tollen Säfte im Kanister, die man aus US-Serien kennt gibt’s auch wirklich. Butter gibt es fast nur gesalzen, und die billige kostet 2.49$.

Trotz (oder gerade wegen) des riesigen Angebots fällt die Auswahl schwer. Und wenn mir etwas einfällt muss ich immer ewig suchen. Getränke gibt es im einen Supermarkt z.B. an drei verschiedenen Stellen. Und neben den Trinkwasser-Kanistern stehen gleich welche mit Destilliertem von der gleichen Marke.

Weil ich keinen Kühlschrank hab will ich erstmal nur ein paar Kekse, aber auch das ist garnicht so einfach. Normale Cookies kosten 4$, aber wenn man zwei Packungen nimmt kosten die nur 4$. Buy One Get One Free ist hier absolut üblich, genau wie eigentlich alle Arten von Rabatten. Nur allzu gerne knüpft der Amerikaner diese an den Besitz einer Kundenkarte, ist dann aber oft sehr großzügig.

Self-Checkout

Pay by Fingerprint

Beim Check-Out bringt mich dieser Automaten zum zögern. Ich bin mir erst nicht sicher ob ich wirklich verstanden hab was er bzw. ich soll. Für die anderen ist es das Natürlichste der Welt seine Sachen selbst zu scannen und einer Computerstimme zuzuhören wie sie einem vorliest was man ihr unter die Nase gehalten hat – nicht ohne einen bei jedem Artikel darauf hinzuweisen wie viel man dabei gespart hat. Wenn man dann alles gescannt hat zahlt man an dem Automaten mit Cash, Bank- oder Kreditkarte, oder per Fingerabdruck. *mund wieder zuklapp*
Muss ich erwähnen dass das Scannen bei mir nicht reibungslos geklappt hat? Ich bin halt echt sowas von altmodisch.


Drive-Thru ATM

Ebenso altmodisch fühle ich mich übrigens als ich merke dass wir nicht an der Tankstelle sondern bei der Bank sind und das keine Zapfsäule, sondern ein Drive-Thru Geldautomat ist.

Siemens

Fitnessraum

Während ich den restlichen Vormittag auf Johannes warte (der ja das Auto hat), schau ich mich genauer im Hotel um: Die “Lobby” (bzw. der Frühstücksraum) ist üppig begrünt, allerdings standesgemäß nur mit Plastikpflanzen. Unter dem Fernseher gibt es einen Kamin, in dem es leise knistert – ein Motor bewegt langsam Streifen aus Alufolie. Der Fitnessraum ist kleiner als mein Zimmer, aber vollgestopft mit Geräten.

Nachmittags geht’s dann zu Siemens. Gleich neben dem Haupteingang ist ein riesiger Raum mit 100 oder 1000 Cubicles. Die einzelnen “Büros” sind wirklich nur durch Nasenhohe Aufstellwände voneinander getrennt. Farblich pendeln diese zwischen Senfblähfarben und dem Beige einer alten Pinwand. Zufällig sind sie auch mit genau so einem groben Stoff bezogen. Sehr einladend. Zum Glück sind wir etwas abgeschieden, wir haben einen kleinen Raum mit nur 5 Cubes und einem großen Tisch, sodass es bei uns ziemlich ruhig ist. Fenster sind leider trotzdem Fehlanzeige und die Luft ist auch irgendwie komisch.

Auch in der Kantine ist das Geschirr aus Styropor, das Besteck aus Plastik. Der Unterschied zum Hotel ist nur dass das Besteck nicht nochmal einzeln verpackt ist, und dass man die Reste gleich in eine Müllpresse kippt.

Beim Abendessen probiere ich zum ersten Mal amerikanisches Bier. Das Restaurant hat allerdings eine eigene Brewery. Wahrscheinlich deshalb schmeckt es garnicht mal schlecht. (Zum Spaß könnt ihr mal die Preise auf der Speisekarte anschaun, zum Glück hat Siemens bezahlt *g*)

Der erste Morgen

Dusche eingefahren
Dusche ausgefahren

Schnee

Um 04:10 ist die Nacht vorerst vorbei. Immerhin schon kurz nach 11, da wo ich herkomm. Ich zwing mich nochmal einzuschlafen und stehe erst um halb 8 auf. Beim ersten Blick aus dem Fenster sehe ich das Unglaubliche: Es hat geschneit. Während daheim über 20 Grad sind fallen hier über Nacht 10 cm Schnee. Und es sieht nicht aus als würde es aufhören. Radio Shack ist damit erstmal in unerreichbare Ferne gerückt, denn meine Winterstiefel hab ich natürlich zuhause gelassen. Ohne Strom allein im Hotel bei Sauwetter. Na fabelhaft.

Also lass ich den Tag mal langsam angehen. Die Flügelschraube seitlich am Duschkopf sieht interessant aus. Damit kann man einen Einsatz im Duschkopf verstellen und so den Wasserstrahl nach Belieben einstellen. Nicht schlecht. Kaum steh ich unter der Dusche fühl ich mich wie im Schwimmbad. Das Wasser ist ja immernoch gechlort.

Endlich wach geh ich runter in den “Frühstücksraum”*. Spontan werden Erinnerungen an ETAP Hotels wach, nur ist die Auswahl hier überschaubarer und überhaupt sieht alles anders aus. Nachdem ich mich etwas umgeschaut hab finde ich endlich etwas das mir bekannt vorkommt: Einen Muffin. Danach landen ein Ei und ein Donut auf meinem Styroporteller. Später finde ich auch Brot (genauer: Toast) und Marmelade. Aus lauter Übermut füll ich mir eine Schüssel mit giftig leuchtenden Fruit-Loops – aber wo gibt’s hier bitte Milch? Ein Angestellter erkennt meine verzweifelte Lage und deutet auf einen Automaten. Leider stell ich mich an wie der erste Mensch, veranstalte eine riesen Sauerei und blamiere damit alle Europäer. Sorry.

Pool - Weather permitting

Nach dem Frühstück begeb ich mich auf die Suche nach dem Pool, von dem ich auf der Webseite gelesen habe. Nachdem ich ihn gefunden habe kommt mir der Verdacht dass ich ihn nicht oft benutzen werde.

* Es gibt einen Grund dafür dass auf der Hotel-Homepage die Bilder für “Front Desk” und “Breakfast Area” identisch sind.

Der erste Abend

Den ersten Abend im Hotel verbringe ich schon fast wie ein Einheimischer: Ich hau mich auf’s Bett und schalt den Fernseher ein. Die Programmauswahl ist sehr abwechslungsreich, ich kann zwischen Sport (Basketball, Baseball, Football, Eishockey) oder zweitklassigen Latenightshows wählen. Leider nehmen die Sprecher keine Rücksicht auf Nicht-Muttersprachler und nuschelt mit unglaublicher Geschwindigkeit vor sich hin. Somit bleibt mir nur die dritte Wahl: Werbung.

Auf Cartoon Network wird LifeGuard angepriesen, ein Notruf für ältere Menschen. Der Slogan “I fell and I couldn’t get up!™” (oder so) ist sogar markenrechtlich geschützt, wie überhaupt fast alles hier. Man bekommt den Eindruck das Alphabet habe drei Zeichen mehr als bei uns: ©, ® und ™ und das sind auch die am meisten verwendeten.

Überhaupt ist alles was man kaufen kann “best”, “greatest”, “unbelievable” und vor allem ©, ® oder ™. Dazu gibt’s immer lustige Sprüche wie “Your mom want’s you to eat at Jimmy John’s” – ah deren Speisekarte (PDF) steht sogar im Web. Hier gibt’s nur hinter jedem Sub einen kurzer Kommentar in Klammern, aber außenrum stehen immerhin einige sinnlose Sätze. Andere (die meisten) Speisekarten hier sind schon fast Literatur. Man erfährt zwar weniger was in den Sachen drin ist, aber umso ausführlicher warum man nichts anderes essen will. Wie zum Beispiel bei Fox and Hounds (PDF).

Um 21:30 wache ich nochmal auf, schalte den Fernseher aus und kipp wieder um.