Power, Scott & das Recht des Stärkeren

US Power Outlet Dann das erste Problem: Natürlich hat sich hier keiner die Mühe gemacht mein Zimmer auf Euro-Steckdosen umzurüsten. Pf!

Also geh ich runter zur Rezeption und frag dort nach ob es in der Woodfield Mall einen Adapter geben könnte. “Das ist viel zu weit zu laufen” lautet wie erwartet die Antwort, “you’d get killed in the traffic”. Ich denk mir nur “is klar, wir haben neuerdings auch Autos in DE” und sage dass das schon ok sei. Aber die Dame lässt sich nicht beruhigen und ruft bei einem Baumarkt um die Ecke an. Die meinen sie hätten sowas auch, “umso besser” denk ich mir und ziehe los, nicht ohne mich noch nach dem nächsten ATM zu erkundigen. An der ersten Kreuzung verstehe ich dann was sie gemeint hat. Zum Glück ist grad noch jemand anderes da – alleine hätt ich es wohl nichtmal über die Straße geschafft. Einmal hätte ich den Drücker nicht gefunden, der is eben nicht Knallgelb, sondern dezent silber. Und außerdem hätte ich mich dann wohl zu tode gewartet. Scott drückt im Vorbeigehen und ist im gleichen Moment schon auf der ersten Verkehrsinsel, ohne weiss (für Fußgänger gibts kein grün) abzuwarten. Ich bleibe natürlich stehen und warte. Und warte. Und warte. Dann wird es auch mir zu bunt und ich gehe ebenfalls einfach los (nur über die Rechtsabbieger-Spur). Aber selbst als wir dann weiss haben müssen wir echt aufpassen dass uns keiner übern Haufen fährt. Das Gesetz der Straße, das Recht des Stärkeren – und alle anderen haben Geländewagen.
Den ATM lasse ich aus um mit Scott (aus Texas) etwas zu smalltalken. Ich erzähle ihm dass es in DE schon ganz warm ist, etwa 20 Grad. Als er sagt dass es in Texas gerade 80 Grad haben müsste merke ich dass er mich für verrückt halten muss wenn ich denke dass 20 Grad warm sind. Dabei sind das doch auch 70 in Fahrenheit…

Als ich beim Baumarkt bin frage ich nochmal nach einem ATM. “Gleich hier um das Gebäude rum. Dann kommst Du an bla vorbei und rechts is blubb und links kommt bla. Und dann siehst Du schon den 7-11 wo einer steht.” Klingt ziemlich weit, deswegen suche ich mir eine Abkürzung. Meinem Weg habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Beim 7-11 hole ich mir Geld und Wasser (ziemlich clever, denn das Leitungswasser ist gechlort). Zurück im Baumarkt finde ich einen Adapter mit dem man überall auf der Welt amerikanische Geräte anschliessen kann, Kopfhörer ohne Mikro und Headsets für Handys. Die Verlängerungskabel sehen aus wie die deutschen vor 50 Jahren. Unglaublich dass der Strom da freiwillig durchfliesst. Der Verkäufer empfiehlt mir zu Radio Shack zu gehn, aber der ist ziemlich weit zu Fuß. Nachdem es schon nach 18 Uhr ist nehm ich mir das für den nächsten morgen vor.

Auf dem Rückweg liegt wieder eine Kreuzung. Diesmal finde ich den Drücker und die Ampel wird gleich weiss. Auf allen Spuren sind die Autos mitten auf dem Fußweg zum Stehen gekommen. Nach ca. 5 Sekunden fängt sie an orange zu blinken und nach weiteren 3 ist wieder rot. Bei einer 7-spurigen Strasse. Ganz toll. In dem Moment steh ich auf einer Verkehrsinsel in der Mitte, aber da gibt es keinen Drücker. Also springe ich todesmutig weiter und naja, ich lebe noch.

Der erste Ausflug

Auf der Suche nach einem Geldautomaten suche ich mir eine Abkürzung. Ich biege in eine Wohnsiedlung ab, und noch in der ersten Straße entdecke ich an einem Baum ein Eichhörnchen.

Siedlung

Eichhörnchen

Es ist zwar grau und hässlich, aber dafür größer als unsere und vor allem hat es Geduld bis ich es fotografiert habe. Die Häuser sehen hier alle gleich aus, nur meinem Orientierungssinn habe ich es zu verdanken dass ich mich nicht verlaufe sondern zielstrebig an ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei Richtung 7-11 bewege.


Neben einem Firmenparkplatz schimmern durch ein paar dünne Büsche helle Flecken, die sich bei genauerem Hinsehen als Bunker herrausstellen.

Bald Golfplatz

Golfrasen

Golfplatz

Erstes Souvenier

Baumschmuck

Offenbar wird Der Golfplatz zwischen Wohnhäusern und Interstate gerade noch erweitert, trotzdem finde ich hier mein erstes Souvenier. Überall laufen überdimensionale Enten rum, und ich bekomme das Gefühl dass einfach alle Tiere – abgesehen von den winzigen Schoßhündchen mancher Promis – doppelt so groß sind wie in Deutschland. Später erfahre ich dass es sich um Kanada-Gänse handelt. Außerdem finde ich wieder ein Eichhörnchen und eine Frucht(?) die ich bisher nur als Deko für den Weihnachtsbaum kannte.

Eichhörnchen (2)

Monsterenten

Der reissende Fluss

Eichhörnchen (2)


Nachdem ich todesmutig auf einem Baum über einen Bach geklettert bin komme ich zurück in die Wohnsiedlung und finde schon wieder neue Motive: Es gibt so viele seltsame Schilder hier …

Vorsicht Schulkinder (eventuell)

Stop! Alle!

An einer Kreuzung können zum Beispiel alle vier Richtungen ein Stopschild haben. Dann darf der fahren der zuerst da war. Auf den meisten Schildern steht auch noch eine genauere Erklärung und die bei Missachtung fällige Strafe, wo man sein Auto nachdem es abgeschleppt wurde wiederfindet, etc.

Als ich vom 7-11 zum Baumarkt zurücklaufe überlege ich mir eine einfachere Beschreibung für den Weg: “Gleich hier um das Gebäude rum und an der Parallelstraße ist ein 7-11.”

Bodenständig & Dach überm Kopf

Nach der Landung komm ich mir dann gleich vor wie in einem Film: Noch vom Rollfeld aus kann ich die nächste Straße sehen, und die Autos sehen alle amerikanisch aus. Im selben Moment fährt die erste Limmo vorbei. Ich überlege ob die Schneeschieber an den Radladern neben der Rollbahn wohl selbstgeschweisst sind – jedenfalls sehen sie etwas abenteuerlich aus. Und schon rollt die nächste Limmo vorbei.

Vor dem Flugzeug warten in der Gangway schon die ersten Polizeibeamten die aufpassen dass niemand das Flugzeug entführt. Es folgt ein langer Marsch durch den Flughafen. Die Gänge ziehen sich endlos und am Ende kommt immer ein neuer Gang. Vielleicht war der Flug deswegen billiger weil ich die letzten Meilen zu Fuß gehen muss?

In einem der Gänge gibt es ein Förderband was von vielen, meist weniger schlanken, dankend angenommen wird. Am Ende des Bandes fällt mir ein Schild auf das auf das Ende hinweisst. Aha.

Dann endlich habe ich das Labyrinth aus Absperrbändern erreicht, das vor der Einreisekontrolle errichtet wurde. Und überall Hinweistafeln des DHS wie man gleich seine Fingerabdrücke abzugeben und in die Kamera zu gucken hat und dass das zur Sicherheit aller und vor allem des Heimatlandes passieren würden. Insgesamt habe ich das Gefühlt noch nirgends so unwillkommen gewesen zu sein.

Dann hab ich’s endlich geschafft und stehe im “freien” Teil des Flughafens. Aber Geschäfte oder gar Banken sind Fehlanzeige, ich finde nur einen McDonalds und einen Geldautomaten, der hier “ATM” heisst. Ich hol mir ein Taschengeld von $60, das aber gleich fürs Taxi draufgehen wird.

Im Hotel werde ich mit einem “Hi, how are you?” begrüßt. Einchecken ist zum Glück kein Problem, ich hab sogar ein Nichtraucher-Zimmer (mit King-Size Doppelbett). Die Bilder auf der Homepage könnten sogar mein Zimmer sein – oder in jedem hängt das gleiche Bild überm Bett. Nicht zu sehen ist das große Badezimmer mit (sehr flacher) Badewanne. Die Heizung (Bild 1, unter dem Fenster) ist so ein kombiniertes Heiz-/Klima-/Lüftgerät mit dem ich auch nach mehreren Tagen nicht zurecht komme. Wenn ich es anschalte wird’s sehr schnell viel zu warm und wenns aus ist wirds gleich wieder kalt.

Aber sicher

In Mailand warte ich auf den großen Sicherheitscheck. Nach der Passkontrolle – wo der Name mit dem auf dem Ticket verglichen wurde – komme ich direkt in den Warteraum vor dem Boarding. Bei Boarding selbst wird meine Reisepass nochmal eingelesen und ich werde gefragt wie lange ich bleiben wolle. Das war’s. Seh ich so unscheinbar aus?

Im Flugzeug vertreiben die ersten Klischee-Amis meine letzten Zweifel, ob ich die richtige Maschine erwischt habe: Übergewicht oder GI-Haarschnitt. Oder beides. Der Flug selbst ist ruhig bis langweilig, 10 Stunden sind halt doch ca. 10 Stunden. Den einen Film im Kino kenne ich schon, der zweite ist italienisch mit englischen Untertiteln. Naja, irgendwo muss man ja merken dass man mit Alitalia fliegt und nicht LH. Lieber am Bordkino gespart und dafür doch ein Essen. Und immerhin kann ich mich über 3 Plätze ausbreiten.
Hübsche Stewardessen sind übrigens Fehlanzeige – ausschließlich Männer, noch dazu Italiener.

Während dem Flug gilt es noch zwei Formulare auszufüllen für die Einreise und den Zoll. Sind Sie Terrorist oder Nazi? Bringen Sie Waffen oder Drogen mit? Falls Sie eine der Fragen mit “Ja” beantwortet haben setzen Sie sich bitte mit dem Dept. for Homeland Security (DHS) in Verbindung.
Und am Ende der Formulare kleingedruckt: Falls Sie eine Anregung haben wie der Aufwand (“Paperwork”) reduziert werden kann, wenden Sie sich bitte an (sowas wie Bundesdruckerei).

Über den Wolken

Mit dem Bus geht es über den halben Flughafen, weit ab von den großen Maschinen steuert er auf einen kleinen Jet zu, wie ihn Geschäftsmänner in den Filmen immer verwenden. Später hab ich herausgefunden dass das eine Embraer 145 LR war.

Jet front

Jet rear

Von innen sieht die Maschine genauso schnuckelig aus, es gibt ganze 2+1 Sitzreihen. Allen die kein Problem mit Brechreiz haben kann ich es nur wärmstens empfehlen mal mit so einem Matchbox-Flieger abzuheben – vom Feeling her ist das Gefühl beim Flug deutlich sportlicher. Die Kurven sind einfach enger und mit größeren Rollwinkeln.

Kurz nach dem Start kommt auch schon die nächste Überraschung: es gab was zu trinken und einen kleinen Kuchen. Verpflegung kann man das eigentlich wirklich nicht nennen, aber bei einer Flugdauer von 1:10 bleibt eh keine Zeit für mehr. Immerhin nährt das die Hoffnung dass es auf dem “richtigen” Flug später auch was zu beißen geben würde.