Power, Scott & das Recht des Stärkeren
Kommentare: 0 - Date: 10. April 07 - Kategorien: Chicago
Dann das erste Problem: Natürlich hat sich hier keiner die Mühe gemacht mein Zimmer auf Euro-Steckdosen umzurüsten. Pf!
Also geh ich runter zur Rezeption und frag dort nach ob es in der Woodfield Mall einen Adapter geben könnte. “Das ist viel zu weit zu laufen” lautet wie erwartet die Antwort, “you’d get killed in the traffic”. Ich denk mir nur “is klar, wir haben neuerdings auch Autos in DE” und sage dass das schon ok sei. Aber die Dame lässt sich nicht beruhigen und ruft bei einem Baumarkt um die Ecke an. Die meinen sie hätten sowas auch, “umso besser” denk ich mir und ziehe los, nicht ohne mich noch nach dem nächsten ATM zu erkundigen. An der ersten Kreuzung verstehe ich dann was sie gemeint hat. Zum Glück ist grad noch jemand anderes da – alleine hätt ich es wohl nichtmal über die Straße geschafft. Einmal hätte ich den Drücker nicht gefunden, der is eben nicht Knallgelb, sondern dezent silber. Und außerdem hätte ich mich dann wohl zu tode gewartet. Scott drückt im Vorbeigehen und ist im gleichen Moment schon auf der ersten Verkehrsinsel, ohne weiss (für Fußgänger gibts kein grün) abzuwarten. Ich bleibe natürlich stehen und warte. Und warte. Und warte. Dann wird es auch mir zu bunt und ich gehe ebenfalls einfach los (nur über die Rechtsabbieger-Spur). Aber selbst als wir dann weiss haben müssen wir echt aufpassen dass uns keiner übern Haufen fährt. Das Gesetz der Straße, das Recht des Stärkeren – und alle anderen haben Geländewagen.
Den ATM lasse ich aus um mit Scott (aus Texas) etwas zu smalltalken. Ich erzähle ihm dass es in DE schon ganz warm ist, etwa 20 Grad. Als er sagt dass es in Texas gerade 80 Grad haben müsste merke ich dass er mich für verrückt halten muss wenn ich denke dass 20 Grad warm sind. Dabei sind das doch auch 70 in Fahrenheit…
Als ich beim Baumarkt bin frage ich nochmal nach einem ATM. “Gleich hier um das Gebäude rum. Dann kommst Du an bla vorbei und rechts is blubb und links kommt bla. Und dann siehst Du schon den 7-11 wo einer steht.” Klingt ziemlich weit, deswegen suche ich mir eine Abkürzung. Meinem Weg habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Beim 7-11 hole ich mir Geld und Wasser (ziemlich clever, denn das Leitungswasser ist gechlort). Zurück im Baumarkt finde ich einen Adapter mit dem man überall auf der Welt amerikanische Geräte anschliessen kann, Kopfhörer ohne Mikro und Headsets für Handys. Die Verlängerungskabel sehen aus wie die deutschen vor 50 Jahren. Unglaublich dass der Strom da freiwillig durchfliesst. Der Verkäufer empfiehlt mir zu Radio Shack zu gehn, aber der ist ziemlich weit zu Fuß. Nachdem es schon nach 18 Uhr ist nehm ich mir das für den nächsten morgen vor.
Auf dem Rückweg liegt wieder eine Kreuzung. Diesmal finde ich den Drücker und die Ampel wird gleich weiss. Auf allen Spuren sind die Autos mitten auf dem Fußweg zum Stehen gekommen. Nach ca. 5 Sekunden fängt sie an orange zu blinken und nach weiteren 3 ist wieder rot. Bei einer 7-spurigen Strasse. Ganz toll. In dem Moment steh ich auf einer Verkehrsinsel in der Mitte, aber da gibt es keinen Drücker. Also springe ich todesmutig weiter und naja, ich lebe noch.















